Zum Inhalt
KistenwechselSpielzeug im Wechsel statt immer mehr
Kiste 4 · steht an der Haustür

Die Draußen-Kiste

Die vierte Kiste ist anders als die anderen. Sie wohnt nicht im Kinderzimmer, sondern im Flur, im Keller oder im Kofferraum, und in den warmen Monaten macht sie kaum Pause. Drin ist alles, was schmutzig werden darf.

Was hineinkommt

Die Regel ist einfach: Nichts, um das es schade wäre. Eimer und Schaufel, ein Sieb, eine Becherlupe, zwei leere Dosen mit Deckel für Fundstücke, Straßenkreide, ein Springseil, ein alter Löffel zum Graben. Dazu ein kleines Handtuch und eine Tüte für nasse Sachen. Wer mag, legt ein Heft und einen Bleistift dazu, damit Beobachtungen nicht vergessen werden.

Hand mit Lupe vor Apfelblüten

Vieles davon muss man nicht kaufen. Sandspielzeug bleibt auf jedem Spielplatz liegen und wird in Kitas oft in großen Mengen weitergegeben, Becherlupen gibt es in Tauschregalen, und ein Sieb aus der Küche tut denselben Dienst wie eines aus dem Spielwarenladen.

Was nicht hineingehört

Glas, scharfe Messer und alles, was kaputtgeht, wenn es nass wird, bleibt zu Hause. Auch Lebendes kommt nicht in die Dose für Fundstücke: Käfer und Schnecken werden angeschaut und dort gelassen, wo sie gefunden wurden. Blumen werden nur gepflückt, wo es erlaubt ist und wo viele davon wachsen. Pilze und unbekannte Beeren werden gar nicht angefasst, das ist die einfachste Regel für alle Altersgruppen.

Wo die Kiste steht

Die Draußen-Kiste steht dort, wo man losgeht: neben der Haustür, im Flur, im Fahrradkeller. Eine Kiste mit Henkeln oder ein alter Einkaufskorb lässt sich mitnehmen; wer viel mit dem Rad unterwegs ist, packt eine kleinere Auswahl in eine Stofftasche, die in den Fahrradkorb passt. Familien mit Auto lassen manchmal eine zweite, sehr kleine Kiste dauerhaft im Kofferraum: Kreide, Ball, eine Becherlupe. Sie hat schon manchen Stau und manche Wartezeit auf einem Parkplatz gerettet.

Ein Nachmittag mit der Kiste

  1. Ziel wählen. Ein Park mit Wiese, ein Waldrand, der eigene Garten oder ein Stück Brachfläche am Ende der Straße. Es muss nicht weit sein.
  2. Eine Aufgabe mitnehmen. Drei verschiedene Blätter finden, etwas Rundes, etwas Raues. Eine Aufgabe reicht, der Rest ergibt sich.
  3. Fundstücke sammeln. Steine, Zapfen, Federn kommen in die Dose. Lebendes wird nur kurz angeschaut und wieder dort abgesetzt, wo es war.
  4. Pause machen. Eine Dose mit Apfelschnitzen, ein Stück Brot und eine Flasche Wasser genügen. Ein Sitzkissen aus einer alten Isomatte passt gefaltet in die Kiste.

Kleine Aufgaben für unterwegs

Manche Kinder laufen sofort los, andere brauchen einen Anlass. Ein paar Karten im Deckel der Kiste helfen: „Finde fünf verschiedene Grüntöne“, „Wie viele Beine hat der Käfer?“, „Welcher Baum hat die größten Blätter?“. Die Karten lassen sich aus alten Kalenderblättern schneiden und mit einem Gummiband zusammenhalten. Nach ein paar Ausflügen schreiben die Kinder meist eigene dazu, und die Sammlung wird mit jedem Sommer dicker. Auch ein Stück Schnur gehört in die Kiste: Damit wird ein Quadratmeter Wiese abgesteckt, und wer genau hinschaut, findet darin mehr Leben, als man erwartet.

Wer summt da?

Mit einer Becherlupe werden Ameisen, Käfer und Asseln zu großen Tieren. Bienen und Hummeln dagegen schaut man aus etwas Abstand an, am besten an einem Beet mit Lavendel, Klee oder Astern, wo sie von Blüte zu Blüte fliegen und sich kaum um Zuschauer kümmern. Kinder sind meist überrascht, wie unterschiedlich sie aussehen: Neben der Honigbiene gibt es in Deutschland mehrere hundert Wildbienenarten, manche kaum größer als eine Ameise.

Biene auf einer violetten Aster

Wer neugierig geworden ist, kann zu Hause weiterlesen, wie ein Bienenvolk lebt, was im Stock passiert und welche Blumen auf dem Balkon Insekten anziehen. Die Becherlupe kommt danach gereinigt zurück in die Kiste.

Bei Regen

Regen ist kein Grund, die Kiste stehen zu lassen. Mit Gummistiefeln und Regenjacke wird aus dem Sieb ein Pfützenfilter und aus dem Eimer ein Regenmesser: Ein gerader Becher steht eine Stunde draußen, danach wird mit dem Lineal gemessen, wie hoch das Wasser steht. Schnecken und Regenwürmer kommen bei Regen an die Oberfläche und lassen sich gut mit der Lupe betrachten, natürlich ohne sie mitzunehmen.

Eine Kiste für mehrere Familien

Sandspielzeug, Schlitten oder ein Kescher werden nur an wenigen Tagen im Jahr gebraucht. Gerade diese Dinge lassen sich gut teilen. Wie man eine Kiste organisiert, die zwischen zwei oder drei Familien wandert, steht unter Eine Kiste für drei Familien.

Nach dem Ausflug

Sand wird draußen ausgeklopft, Eimer und Schaufel kurz abgespült, die Lupe trocken gewischt. Nasse Sachen trocknen über Nacht, bevor der Deckel wieder zugeht, sonst riecht die Kiste beim nächsten Mal. Fundstücke wandern auf ein Fensterbrett oder in eine Schachtel; nach ein paar Wochen darf das meiste zurück in den Garten.

Kind läuft von hinten gesehen über eine Wiese

Im Winter macht die Draußen-Kiste, wie die anderen auch, ihre Pause. Dann ist ein guter Zeitpunkt, um durchzusehen, was kaputt ist, und Sandspielzeug, das niemand mehr nimmt, an eine Kita weiterzugeben. Wie die Pausen geregelt sind, steht bei der Vier-Kisten-Regel; welche Dinge in welchem Alter in die Kisten passen, zeigt die Übersicht nach Alter.

Zum Weiterlesen: Umweltbundesamt: Mit Nützlingen gärtnern